Interview Hafenstrasse Live
Foto erstellt von Markus Endberg.
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Die Regionalliga-West-Saison 2019/20 wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie abgebrochen. Ziemlich schnell war klar, dass es in Zukunft schwierig wird, Fußball in Stadien mit Fans zu genießen.

Doch trotz für Fans geschlossener Stadien gibt es Abhilfe, die Spiele der Lieblingsmannschaft (live) zu verfolgen. Die Digitalisierung ist ligaübergreifend längst sehr präsent. So sind auch im Amateurbereich beispielsweise seit dem Jahr 2017 Stadien sukzessive mit einem 180-Grad-Kamerasystem ausgestattet worden. Auf diese Weise ist es möglich, Spiele nicht nur (aus diversen Kamerawinkeln) aufzuzeichnen sondern über das Internet zu streamen. Das ist einerseits ein fanfreundlicher Service, andererseits tun sich – gerade aufgrund der coronabedingten Einschränkungen – neue Geschäftsmöglichkeiten der Vermarktung von Fußballspielen jenseits der Profiligen auf.

Als feststand, dass die Saison 2020/21 in der Regionalliga West aus Pandemiegründen nicht oder nur sehr bedingt mit Fans im Stadion stattfinden würde, entschloss sich Rot-Weiss Essen einen solchen Livestream anzubieten. Um das Projekt zu stemmen, setzte der Verein auf den benachbarten Partner AISportsWatch GmbH, die das Format soccerwatch.tv anbieten. Laut eigener Internetseite versteht sich soccerwatch als „aufsteigendes Unternehmen in der Videoübertragung von Amateurfussballspielen“. Das Streamingangebot umfasst Spiele der Regionalliga, der Oberliga Niederrhein sowie der 2. Frauen-Bundesliga. Neben dem Originalton aus dem Stadium gibt es zwei Moderatoren, Andreas Crom und Christian Ruthenbeck, die live von den Spielen berichten.

Über die Möglichkeiten der Live-Übertragungen im Amateursport, Corona-Maßnahmen der Moderatoren sowie geplante interaktive Faninhalte sprach Christopher Grimm mit Andreas Crom und Christian Ruthenbeck.

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Christopher Grimm: Hallo Andreas und Christian, schön mit euch zu sprechen. Ihr seid die Stimmen von Hafenstraße Live. Stellt euch und euren Werdegang doch einmal kurz vor. Wie seid ihr zu Hafenstraße Live gekommen?

Andreas: Bei mir ist das alles irgendwie total eskaliert. Ich bin seit 2016 auf www.nullsieben.blog rund um RWE aktiv und habe im März 2020 das wegen der Pandemie kurzfristig abgesagte Spitzenspiel beim SC Verl als (Just for Fun Aktion) Live-Ticker präsentiert, nachdem die Saison unter- und später abgebrochen wurde. Dieser fiktive Liveticker, kam wiederum bei Marcus Uhlig, geschäftsführender Vorsitzender von Rot- Weiss Essen, und dem gesamten Verein so gut an, dass man mich bat, für die verbleibenden Heimspiele ebenfalls einen Onlineticker in diesem Stil zu publizieren – die Aktion „virtuelles Heimspiel gegen Corona“ war geboren, mit dem der Verein zusätzliche Einnahmen durch virtuelle Tickets und Biere generieren konnte – etwa 250.000 Euro sind dabei insgesamt zusammengekommen. Ich stand in dieser Phase wöchentlich mit Marcus Uhlig im Austausch. Als er mir dann mitteilte, dass der Verein mich gerne als einen der Kommentatoren für den geplanten Stream haben würde, bin ich fast geplatzt vor Freude. Wir hatten zwar vorher schon hin und wieder lose miteinander zu tun, aber dass Ruthe dann die andere Hälfte des Teams sein würde – das passte vom ersten Moment an wie der berühmte Arsch auf den Eimer!

„Ich bin fast geplatzt vor Freude.“

Andreas Crom, als die Moderationsanfrage für den Livestream vom Vereinsvorstand kam.

Christian: Bei mir fing alles vor 13 bis 14 Jahren beim RWE-Fanradio „Radio Hafenstrasse“ an. Ich bin da zufällig reingerutscht und habe zunächst Spielberichte für die Homepage des Internetradio geschrieben, anschließend unter anderem mit dem mittlerweile verstorbenen Ruhrmichell die ein oder andere Sendung unter der Woche gemacht und dann irgendwann auch die Spiele für das Internetradio kommentiert. Ich schrieb damals schon eine Kolumne für RH die dann vor gut zehn Jahren auch vom damaligen RWE-Vorstand Michael Welling in die Stadionzeitung „Kurze Fuffzehn“ übernommen wurde. Seither stehe ich mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle in Kontakt. Als der erste Lockdown kam habe ich mich mit Marcus Uhlig unterhalten und deutlich geäußert, dass ich für einen Stream jederzeit ehrenamtlich zur Verfügung stehe. Schließlich bekam ich grünes Licht. Dass mein Kollege auch noch der alte Andi sein würde war dann natürlich die Kirsche auf der Sahne. Wir kannten uns schon und kamen sehr gut miteinander aus.

Woher kennt ihr beiden euch?

Christian: Wir haben uns auf klassische Art und Weise kennengelernt: Jemand kannte jemanden, der jemanden kannte und plötzlich waren wir irgendwie in derselben Whatsapp-Gruppe. Als wir uns dann online kennengelernt haben, trafen wir uns auch bei Spielen im Stadion.
Wir kennen uns natürlich auch über jährliche Meetings vom Verein, zu denen wir als Autoren der Kolumne „Opa Luscheskowski sein Enkel“ in der Kurzen Fuffzehn oder Andreas Blogs „www.nullsieben.blog“ eingeladen waren.

Anfangen habt ihr am ersten Spieltag beim Heimspiel gegen den SC Wiedenbrück. Wie lief die erste Vorbereitung?

Andreas: Es gab vorab ein großes Meeting im Stadion, bei dem neben den beiden Stakemeiers, also den Leuten von der Produktionsfirma, auch Vertreter von Soccerwatch und natürlich von RWE dabei waren. Bis dahin waren Christian und ich davon ausgegangen, dass wir das Spiel kommentieren, wie wir es von unserer Zeit beim Fanradio kannten. Schnell wurde aber klar, dass der Verein gerne etwa drei Stunden abdecken wollte und sich somit deutlich von der reinen Spiel Kommentierung absetzen wollte. Vorlauf, Interviews nach dem Spiel und so weiter. Ursprünglich wollten wir damit erst nach ein paar Spielen anfangen, nach dem Motto: „Erst mal klein anfangen“. Letztendlich haben wir das aber schon zum ersten Spiel in vollem Umfang umgesetzt.

Christian: Ich will es mal holprig nennen. Es lief bei weitem nicht alles so, wie in den vorangegangenen Meetings erhofft und angesprochen. Sowohl der Verein und seine Partner Soccerwatch und Stakemeier Film- und Fotokunst, als auch wir beide haben uns das alles einfacher vorgestellt. Es gab viele technische Herausforderungen. Angefangen mit Problemen, mit den von uns eigens angeschafften Headsets, über fehlende Regieanweisungen bis hin zu krassen Stream-Aussetzern war alles dabei. Umso schöner, dass sich mittlerweile alles eingespielt hat.

„Es gab viele technische Herausforderungen.“

Christian Ruthenbeck, über den holprigen Start der Streams.

Christian, als Stadionsprecher heizt du normalerweise vor jedem Spiel die Fans ein und sorgst für ordentlich Stimmung im Stadion. Musst du dich jetzt anders vorbereiten als wenn du mit dem Mikrofon auf dem Rasen stehst?

Andreas: Ich finde es gut, dass er sich jetzt regelmäßig duscht! (lacht)

Christian: Absolut! Wenn ich ehrlich bin, bereite ich mich auf meinen Job als Stadionsprecher nicht groß vor. Ich gehe am Spieltag ins Stadion, bekomme die Aufstellung in der Geschäftsstelle, gehe mit Stadionsprecher Walter Rüge und Stadion-DJ Micha Eichler kurz den Ablaufplan durch. Fünf Minuten vor Anstoß gehe ich aufs Spielfeld und erzähle dann spontan was mir beim Anblick unserer wunderbaren Westkurve durch den Kopf geht.
Aktuell sieht es so aus, dass ich mir eine Aufzeichnung des Streams vom letzten Spiel noch einmal anschaue, damit ich sehe, was Andi besser machen kann und ich ihm unter die Nase reiben kann. (lacht). Spaß beiseite: Wir sind beide sehr selbstkritisch und schauen, was wir besser machen können und bemühen beide das Internet, um bestmöglich auf das Spiel vorbereitet zu sein. Das hat auch was mit Respekt vorm Gegner und seinen Fans zu tun. Außerdem verfasse ich die Fragen für das Interview mit Marcus Uhlig im Rahmen des Strafraum-Talk immer alleine ohne jede Anweisung von außen.

Ihr beide könnt das Projekt nicht alleine stemmen. Wie sieht das Team um euch herum aus? Bild- und Tonausfälle kennt man auch aus der Champions League. Was waren Komplikationen, mit denen ihr vielleicht nicht gerechnet habt?

Andreas: Wir haben mit Jan Poerting einen festen Ansprechpartner beim Verein, dazu Nils Stakemeier, der die Regie am Spieltag führt. Zu seinem Team gehören eine Handvoll Kameraleute und ein Assistent, der sich um die Zeitlupen kümmert. Außerdem ist jemand von Soccerwatch vor Ort. Insgesamt sind etwa zehn bis zwölf Personen am Spieltag mit dem Stream beschäftigt.

Die Komplikationen begannen schon damit, dass unsere Headsets anfangs nicht mit dem Mischpult zusammenarbeiten wollten. Da hat sich aber bis zum ersten Spiel eine Lösung gefunden, leider müssen wir trotzdem Handmikros nutzen. Zudem ist es schwierig, sich nicht von der Regie auf dem Ohr aus dem Konzept bringen zu lassen, wenn man gerade irgendwas erklärt. Beim ersten Spiel hatte ich den Strafraum-Talk auf der anderen Seite erwartet und ihn nicht unten am Rand des Spielfeldes gefunden. Dann hat mal die Kamera für die Interviews rumgemuckt, als es losgehen sollte. Das sind alles so Kleinigkeiten.

Womit wir alle aber gar nicht gerechnet haben, waren die extremen Schwierigkeiten bei der Datenübertragung. Die Generalprobe am Nachmittag vor Wiedenbrück lief problemlos, am Spieltag selbst ist dann ein Router abgeraucht. Die Folge war ein übler Shitstorm auf den Social Media Plattformen in Richtung Verein und Soccerwatch. Soccerwatch mit dem Provider, hat dann zum nächsten Spiel eine zusätzliche Leitung als Backup geschaltet – da hat aber der Funkmast den Geist aufgegeben, beide Leitungen waren parallelweg. Dem Verein hat wurde von den Zuschauern vorgeworfen, man würde krude Ausreden erfinden, es war aber de facto so, dass der Provider, die für die Masten zuständig ist, sich nicht berufen gefühlt hat, etwas an der Lage zu ändern. Der Verein hat daraufhin in Zusammenarbeit mit der Grundstücksverwaltung der Stadt das normale WLAN aufgerüstet, seitdem senden wir darüber und es läuft ohne Ausfälle.
Komplikationen, die wir leider nicht verhindern können, sind ansonsten meist vom User bedingt. Der eine versucht, trotz mehrfacher Hinweise, über seine Playstation zu gucken, der nächste hat nur einen Mono-Ausgang am Laptop und hört dementsprechend nur eine Person bei den Interviews, beim dritten reicht die Internetgeschwindigkeit nicht, weil in der Nachbarschaft alle gerade Netflix gucken. Da sind uns die Hände gebunden.

Christian: Rund um das Spiel sind neben uns beiden zehn bis zwölf weitere Menschen von RWE, Soccerwatch und Stakemeier Film- & Fotokunst am Stream beteiligt. Von den Kameraleuten über die Regie und Grafikvorbereitung ist jede Menge Knowhow am Start.
Nicht gerechnet haben wir damit, dass unsere neuen Headsets nicht so funktionieren wie gewünscht und dass der Stream an den ersten Spieltagen so übel abgeschmiert ist. Das hat an meinen Nerven gezerrt und mich teilweise wirklich wütend gemacht.

Habt ihr die Abläufe mittlerweile verinnerlicht?

Andreas: Wir haben zwar einen groben Ablaufplan für jeden Spieltag: 30 Minuten vor Spielbeginn fang wir an mit der Begrüßung, danach kommen wir zu den Aufstellungen, dann macht Christian den Strafraum-Talk. Wenig später der Anpfiff, nach dem Match die Interviews. Da ändert sich nichts Grundlegendes. Von daher ist das schon ins Blut übergegangen.

Christian: Mittlerweile sind die Abläufe eindeutig verinnerlicht. Alles wird mehr und mehr zur Routine und macht somit auch mehr Spaß.

Wie läuft so ein Tag als Hafenstraße-Live-Moderator? Wird morgens beim Müsli der Gegner studiert oder wie kann ich mir das vorstellen?

Andreas: So in etwa ist es schon, ja. Ich gucke mir an den Tagen vor einer Partie die letzten Ergebnisse des Gegners an, die Bilanz und vielleicht besondere Spiele gegen RWE sowie interessante Spieler. Etwa eineinhalb Stunden vor dem Spiel mache ich mich auf den Weg zum Stadion. Laptop aufbauen, die wichtigsten Websites aufrufen, noch ein Kaffee, mit dem einen oder anderen ein paar Worte wechseln und dann geht es auch schon los.

Christian: Offengestanden ist es ein Morgen wie jeder andere. Die Arbeit, wie die Vorbereitung auf das Interview mit Marcus Uhlig oder Gegner Recherche sind dann schon längst gelaufen. Ich frühstücke in Ruhe mit meiner Frau und den Kindern und fahre dann relativ entspannt zur Hafenstraße. Auf dem Weg nach Bergeborbeck mache ich mir meistens meine liebsten Songs von den „Staudertrinkers“ und „Another Tale“ im Auto an. Davon bekomme ich gute Laune. Wenn ich im Stadion bin und am Platz alles eingestöpselt habe, fängt die Arbeit an.

Pfeift der Schiedsrichter auch euren Arbeitstag ab oder seid ihr in die Nachbereitung involviert?

Andreas: Nach dem Spiel gibt es ja immer noch die Interviews aus den Katakomben. Da heißt es dann für mich zügig nach Abpfiff, mich vom Mikro zu lösen und runter in den Spielertunnel zu gehen. Dort, so ist es abgesprochen, wird mir immer ein Spieler und der Trainer zur Verfügung gestellt. Während ich mich auf den Trainer über 90 Minuten vorbereiten kann, ist es mit den Spielern immer so eine Sache … Einmal kündigte man mir Dennis Grote an, ich habe mir ein paar Fragen überlegt, und dann stand da plötzlich Ali Hahn. Da war Improvisation gefragt.

Zur Nachbereitung gehören mittlerweile bei mir auch die Highlight-Clips. Da gehen nochmal so zwei bis drei Stunden für drauf nach jedem Spiel, meist am Folgetag. Ich bekomme den Roh-Clip, spreche einen Text ein, schreibe mir den dann ins Reine und lese den dann halbwegs seriös wieder ab. Eigentlich müsste ich da mal Outtakes präsentieren! Auch da hat sich mittlerweile eine Routine eingespielt. Anfangs habe ich noch Szene für Szene eingesprochen, bei Versprechern diese dann wiederholt. Ich bin selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass das mittlerweile eine deutlich höhere Qualität hat. Die fertige Audiodatei schicke ich dann zurück, das wird zusammen gerendert und hochgeladen und der Verein veröffentlicht das wie geplant.

Christian: Wenn Andi nach Abpfiff in der Mixed-Zone die Interviews führt, muss ich für die Zuschauer die Zeit überbrücken. Ich gehe meistens noch einmal die Ergebnisse der anderen Partien durch, bis ich das Feierabend Signal aus der Regie bekomme. Dann gehe ich vom Sender, packe unser Zeug zusammen, gehe ebenfalls in die Mixedzone, hole mir von Jan Poerting(PR / Kommunikation bei Rot-Weiss Essen) und Niklas Pieper (Projektassistenz Vorstand & Spieltagsorganisation bei Rot-Weiss Essen) die Manöverkritik ab und dann ist Feierabend für uns.

In den letzten Spielen sind Wiederholungen von Toren oder Fouls zum Stream hinzugekommen. Welche technischen Features sollen noch implementiert werden? Gibt es irgendetwas, das ihr gerne hättet, für das euch aber (noch) das Equipment fehlt?

Andreas: Auf der technischen Seite finde ich es schade, dass wir selbst nicht das Produkt parallel sehen können. Das heißt: Ich höre nichts vom Strafraumtalk, wir sehen weder die Zeitlupen noch Nahaufnahmen von Spielern, um darauf eingehen zu können. Das liegt einfach daran, dass wir einen zweiten Monitor aus der Regie bräuchten, die aber unten am Spielertunnel sitzt. Da stößt man bei den technischen Möglichkeiten einfach an Grenzen. Dennoch müssen wir uns mit dem Gesamtkonzept sicher nicht verstecken.

Christian: Ob weitere technische Features geplant sind, weiß ich nicht. Letztlich ist das ein selbst produzierter Stream eines Viertligisten und nicht die „Sportschau“ oder eine Sendung von Sky.
Für Andi und mich würde ich mir einen Monitor wünschen, auf dem wir sehen, was der Zuschauer sieht – ohne Zeitverzögerung – damit wir auch auf die Zeitlupen etc. eingehen können. Zudem wären Headsets mit Mikro gut. Ich mag es nicht, die ganze Zeit ein Mikro in der Hand zu haben.

Ihr habt euch eine Menge einfallen lassen, um Social Media zu integrieren. Ist neben Grüßen und Gewinnspiel noch mehr geplant, um den Fan mit einzubinden und die Interaktion weiter zu erhöhen?

Andreas: Wir haben noch unser sensationelles Bullshit-Bingo, für das wir noch immer keinen Gewinner haben! Im Ernst: Wir sind, während das Spiel läuft, mehr als genug mit den Geschehnissen auf dem Rasen beschäftigt. Und wenn da mal weniger zu kommentieren ist, haben wir ja meist Parallelspiele oder auch mal eine Anekdote parat. Der Facebook-Auftritt soll ja auch nicht im Vordergrund stehen, sondern den Zuschauern eine Möglichkeit bieten, mit uns rund um den Spieltag in Kontakt zu treten.

Christian: Die Facebook-Seite dient der Information und soll den Zuschauern die Möglichkeit geben, direkt Kontakt zu uns beiden aufzunehmen, Kritik zu äußern und Grüße und Wünsche loszuwerden. Während der 90 Minuten in denen das Spiel läuft, bleibt uns kaum Zeit da genau nachzulesen. Da bräuchten wir vielleicht noch einen Social-Media-Sidekick wie bei „ran Football“. (lacht)

Christian Ruthenbeck informiert sich über weitere Begegnungen des Spieltages.
Foto erstellt von Markus Endberg.

Müsst ihr am Spieltag besondere Maßnahmen wegen der Corona Pandemie treffen? Worauf wird besonders geachtet?

Andreas: Da gibt es das volle Programm: Masken, Abstand, Hände desinfizieren, man wird namentlich in einer Liste erfasst. Auf Umarmungen beim Torjubel muss natürlich verzichtet werden. Weil es aktuell recht kalt ist, können wir uns mit unseren Handschuhen immerhin mal abklatschen, wenn Engelmann mal wieder regelt(im Rahmen des Livestream hat sich dieser Satz bei Toren von Simon Engelmann etabliert).

Christian: Das Hygienekonzept des Vereins ist sehr umfassend. Wir müssen uns in eine Liste eintragen, Abstandsregel und Mund-Nasenschutz Verordnung einhalten und und und… wie das halt überall anders auch ist. Auf der Tribüne sind die Sicherheitsleute angewiesen, auch auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Das ganze Konzept funktioniert in meinen Augen sehr gut und wird von den wenigen im Stadion anwesenden Menschen auch streng eingehalten.

Welche Webseiten, Apps oder Online-Dienste, nutzt ihr während eurer Moderation und wie helfen die euch?

Andreas: Das sind neben Facebook natürlich die üblichen Verdächtigen: „Kicker“, „Transfermarkt“, „Fussballdaten“. Da kann man dann auch mal gucken, wo der Wunderstürmer des SV Straelen, der vorletzte Saison gegen RWE getroffen hat, aktuell unter Vertrag steht.

Christian: Den Laptop hat meistens der Andi vor der Nase. In den seltensten Fällen mache ich noch mein Tablet an. Zudem schaue ich in der Halbzeit ab und zu auf mein Handy. Allerdings bekomme ich während einer Übertragung im Schnitt 300 Nachrichten per Whatsapp. Wenn auch die meisten in irgendwelchen RWE-Gruppen aufkommen, habe ich in der Regel nicht die Ruhe mir das alles durchzulesen. Von den 15 Minuten Halbzeit haben wir ja maximal zehn Minuten Pause.

„Während einer Übertragung bekomme ich im Schnitt 300 Nachrichten per Whatsapp.“

Christian Ruthenbeck, über das Multitasking während der Spiele.

Frank Buschmann wird von vielen Fußballfans dafür gefeiert, dass er so emotional moderiert und für Stimmung vor dem Fernseher sorgt. Gibt es einen Moderator den ihr euer Vorbild nennt oder an dem ihr euch für eure Moderation orientiert?

Andreas: Vorbild würde ich gar nicht sagen, aber man nimmt natürlich mindestens unbewusst was mit. Wir beide haben sicher jeder schon einige hundert Spiele im TV gesehen. Buschi finde ich einerseits geil, ich finde ihn aber manchmal auch anstrengend, wenn er schon beinahe ein wenig krampfhaft versucht, lässig zu wirken. Wolf Fuß habe ich durch meine „Pro Evolution Soccer 5“-Phase noch drauf! Und natürlich Ernst Huberty!

Christian: Ganz klar: NEIN! Ich habe kein Vorbild und auch nicht den Anspruch, professioneller Kommentator zu sein. Das will ich gar nicht. Ich bin RWE-Fan – und nichts anderes. Ich gucke fast gar keinen Profifußball im TV und kenne zu den meisten Stimmen nicht einmal den Namen. Buschi find ich witzig, aber eher als Entertainer und nicht als Kommentator. Ich finde es gut, dass der Verein uns unser Ding machen lässt und wir uns so auch selbst entwickeln können – komplett durch die rot-weisse Brille!

Wo wir gerade über Frank Buschmann gesprochen haben: Ist es schwierig, nicht zu emotional zu sein und bei einem späten Siegtor vollkommen auszurasten oder nehmt ihr das gerne mit?

Andreas: Ganz klar: Das Ding ist und bleibt der Livestream von RWE. Wir haben nicht den Anspruch, neutral zu kommentieren, das kommunizieren wir auch jedes Mal. Wenn RWE in der Nachspielzeit gegen den Erzrivalen das Siegtor schießt, wird auch ausgerastet. Dazu sind wir auch zu viel Fan. Auf der anderen Seite gilt es natürlich immer, dem Gegner gegenüber nicht respektlos zu sein oder diesen gar on air zu beschimpfen. Auch da sind Ruthe und ich uns aber einig. Ein dummer Spruch darf es aber gerne sein.

Christian: Also in Sachen Emotionalität nehme ich mich nicht zurück – alles geht so über die Lippen wie es auch im Kopf ist. Das ist auch so gewollt – Ruhrpottschnauze halt. Aufgrund der leeren Ränge fehlt natürlich ein großer Teil, der die Emotionen weiter hochschaukeln könnte.

„Wenn RWE in der Nachspielzeit gegen den Erzrivalen das Siegtor schießt, wird auch ausgerastet.“

Andreas Crom, über die Vorzüge eines Vereins-Streams.
Andreas Crom beim Interview nach dem Spiel. Foto erstellt von Markus Endberg.

Fast jeder Bundesligist hat mittlerweile sein eigenes Vereins-TV: Wäre das für euch in Zukunft vorstellbar? Also nicht nur live von den Spielen zu berichten, sondern auch Video-Berichte und Analysen innerhalb der Woche oder Diskussionsrunden wie ein Rot-Weisser Doppelpass mit z.B. Spielern, RWE-Funktionären, Ehemaligen, Vereinslegenden, Fan und Förderabteilung von RWE oder Pressevertretern?

Andreas: Wie Ruthe so schön sagt: Ich habe da ein kleines RWE-Handicap! Wenn der Verein ruft, kann ich nicht nein sagen. Es müsste sich aber mit Job und Familie kombinieren lassen. Mittwochs um 12 Uhr aufzeichnen ist einfach nicht drin, denn die Kohle muss ja trotzdem reinkommen. Marcus, wenn du das liest: Verhandlungsbasis ist ein mittlerer vierstelliger Bereich im Monat!. (lacht)

Christian: Live-Übertragungen von uns wird es nicht mehr geben, sobald die Stadien wieder offen sind. Die Rechte liegen, was die Regionalliga betrifft, beim Verband, in Liga drei bei Magenta TV und ab Liga zwei bei Bezahlsendern. Zwei Amateurkommentatoren mit RWE-Handicap braucht da niemand zusätzlich. (lacht)

Was die anderen angesprochenen Formate angeht, wäre ich gern dabei, wenn der Verein dafür einen Markt sieht und das machen möchte. Allerdings nur, wenn das vom zeitlichen Aufwand her machbar ist. Wir bekommen zurzeit schließlich kein Geld für unsere Dienste. Der Job und die Familie gehen immer vor. Wenn Marcus Uhlig mich dafür einstellen möchte, hör ich mir das auch gerne an – er hat meine Handynummer. (lacht)

Es gibt viele RWE-relevante Inhalte im Internet, wie das RWE-Forum, den Nullsieben Blog sowie Artikel auf Fußball-Websites wie Reviersport.de oder Podcasts wie FBWMFL (Football was my first love). Welche RWE- oder generell Fußballmedien konsumiert ihr und habt ihr einen Geheimtipp?

Andreas: Hier möchte ich ganz klar noch „Im Schatten der Tribüne“ und „Catenaccio 07“, die beiden anderen großen Fanblogs über RWE anführen. Der „Podbolzer“-Podcast mit Timo Brauer ist auch hörenswert. Geheimtipp: Vor und nach Spielen gegen unsere Rivalen mal in deren Foren mitlesen kann sehr unterhaltsam sein!

Christian: Ich höre natürlich die „Podbolzer“ mit meinem Kumpel Timo Brauer und schaue fast täglich im RWE-Forum und auf „Jawattdenn.de“ vorbei. Außerdem bin ich großer Fan von Uwe Strootmanns „Im Schatten der Tribüne“ und Happos „Unkaputt-Bar“. Auch den Blog „Catenaccio 07“ darf man in dieser Auflistung nicht vergessen. Da ich auch seit vielen Jahren Mitglied bei Leeds United bin, habe ich auch da ein paar Seiten über die ich mich regelmäßig informiere. Meine restlichen Fußballinfos hole ich mir von „Kicker.de“ – wie bereits gesagt, hält sich mein Interesse für andere Klubs und Ligen arg in Grenzen.

Was denkt ihr, wohin die Reise mit den Rot-Weissen geht: Aufstieg in die 3. Liga und dort ums Überleben kämpfen oder gibt es in fünf Jahren Champions-League-Fußball an der Hafenstraße?

Andreas: Weder noch. So wie die Mannschaft in der Hinrunde aufgetreten ist, hoffen wir natürlich alle auf den großen Wurf: den Sprung in die dritte Liga. Wir alle wissen aber, dass auch in dieser Saison noch ein langer Weg vor uns liegt. Dort soll sich RWE aus meiner Sicht zunächst stabilisieren, also spätestens im dritten Jahr auf einem einstelligen Tabellenplatz abschließen und sich dann mittelfristig Richtung Liga zwo orientieren. Dort dürfte aber – realistisch gesehen – die obere Grenze erreicht sein. Andererseits: Der FC Augsburg ist in der Saison 2005/06 mit uns in die zweite Liga aufgestiegen und die sind jetzt etablierter Bundesligist.

Christian: Ich denke der Aufstieg kann gelingen und der Verein wird alles dransetzen. Es sieht gut aus, aber Garantien gibt es nicht. Ab Liga drei ist ein wenig Demut angesagt. Wir haben viele Jahre in der Schweineliga verbracht. Ich denke RWE bräuchte ein wenig Zeit, sich im überregionalen Fußball wieder zurechtzufinden. Da es in Liga drei aber drei Plätze gibt, die den Weg nach oben ermöglichen, sollte das Ziel nach zwei bis drei Jahren 3. Liga sein, sich einen dieser Plätze unter den Nagel zu reißen. Die 2. Liga wäre schon großartig! Aber lass uns erstmal die Hausaufgaben in der Rückrunde machen.

Vielen Dank für eure Zusammenarbeit, viel Erfolg bei eurem Projekt und bleibt negativ, das ist bei Corona positiv!

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